Posts Tagged ‘Türken’

Buchtipp: Halbmondwahrheiten

Sonntag, August 22nd, 2010

BuchcoverISABELLA KROTH

Halbmondwahrheiten

Türkische Männer in Deutschland – Innenansichten einer geschlossenen Gesellschaft

TüPaperback, Klappenbroschur, 224 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-424-35022-7
€ 16,95 [D] | € 17,50 [A] | CHF 29,90* (empf. VK-Preis)empfohlener Verkaufspreis

Verlag: Diederichs

Autorin Isabella Kroth hat das Vertrauen von türkischen Männern gewonnen: In Interviews erzählen sie von ihrem schwierigen Weg zwischen Tradition und Moderne

In zwölf Geschichten gibt das Buch Einblick in die Lebenswelten des türkisch-muslimischen Mannes. Es behandelt die ungelösten Probleme der Integration, etwa warum Ali auch nach 40 Jahren in Deutschland kaum Deutsch spricht, warum Ismet keine Chance hatte, sein Abitur zu machen, sondern als junges Familienoberhaupt schnell Geld verdienen musste. Warum Koray eine Frau aus der Türkei als Ehefrau akzeptiert, obwohl er sie kaum kennt. Wie Adem mit seiner neuen Aufgabe als alleinerziehender Vater umgeht. Und warum Ahmet als Importbräutigam nach Deutschland aufgebrochen ist.

Es geht ebenso um alleinerziehende Männer und darum, wie sie mit dieser Situation fertig werden. Entlang der Biografien und ihrer Beobachtungen, gibt Kroth einen Überblick über die damalige deutsche Ausländerpolitik, die erst nach vielen Jahrzehnten zur Integrationspolitik wurde. Auch gesellschaftliche Ereignisse, Informationen über den Islam, Studien zu Einwanderern werden aufgegriffen.

Mehr:

Buchbesprechung bei literaturmarkt.info

Buchbesprechung bei Spiegel.de

Sehr gutes Interview mit Isabella Kroth im Freitag

Verlags-Info

Wenn möglich: Kauft bei eurem lokalen Buchhändler. Keinesfalls bei Buchhandels-Ketten. Möglichst nicht
online.

Niedersachsen: Muslimische Ministerin türkischer Herkunft

Mittwoch, April 28th, 2010

Die Juristin Aygül Özkan, bislang Bürgerschaftsabgeordnete in Hamburg, wurde am Dienstag in Hannover als neue Sozialministerin des Landes Niedersachsen vereidigt, als erste türkischstämmige Ministerin in Deutschland überhaupt.

Ein Coup der CDU von Ministerpräsident Christian Wulff , besonders gegenüber der SPD, die zwar von Einwandern gewählt wird, aber so wenige der ihren in Spitzenpositionen vorweisen kann wie keine andere Partei.

Aygül Özkans Eltern, Aydin und Nuran Özer, stammten aus Ankara in der Türkei und waren in den 1960er Jahren nach Hamburg zugewandert. Aydin Özer arbeitete zunächst fünf Jahre bei der Deutschen Bundespost, bevor er sich mit einer Schneiderei selbstständig machte.

Aygül Özkan besuchte das Gymnasium Allee Altona und erlangte dort 1990 ihr Abitur. Mit 18 Jahren, noch während ihrer Schulzeit, hatte sie sich für die deutsche Staatsangehörigkeit entschieden – eine Entscheidung, die sie sich auch von viel mehr Zuwanderern wünscht: „Ich denke, dass wir viel stärker plädieren und kämpfen müssen, dass die Menschen, die hier leben und sich dafür entschieden haben, hier zu leben und Teilhabe wollen, primär die deutsche Staatsangehörigkeit erlangen sollten.“

Sie nahm ein Studium der Rechtswissenschaft mit dem Schwerpunkt Europa- und Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg auf.

Özkan ist Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten (ATU) und unter anderem auch Mitglied der Wirtschaftsdeputation und des Integrationsbeirates der Hansestadt, sowie der Deutsch-Türkischen Juristenvereinigung.

Aygül Özkan ist mit einem türkischstämmigen Frauenarzt verheiratet und Mutter eines Sohnes.

Die Personalentscheidung fand ein großes und positives Echo in türkischen Medien. So erklärte der türkische Außenpolitiker Yaşar Yakış, dass die Entscheidung ein gutes Beispiel für die in Deutschland lebenden Türken sei, es bis in höchste Positionen schaffen zu können.

Als neue Ministerin will Özkan vor allem die frühkindliche Bildung von Migrantenkindern stärken und bei deren Eltern dafür werben, dass sie ihre Kinder frühzeitig in die Kindertagesstätte (Kita) schicken.

Özkan forderte in einem Interview mehr Richter mit Migrationshintergrund, „damit die Betroffen auch sehen, hier entscheidet nicht eine fremde Autorität, sondern wir gehören da auch zu.“

In Anlehnung an das Kruzifix-Urteil 1995 des Bundesverfassungsgerichtes, forderte sie, dass Unterrichtsräume an staatlichen Pflichtschulen frei von religiösen Symbolen zu sein hätten:„Die Schule sollte ein neutraler Ort sein“. Ein Kind müsse selbst entscheiden können, wie es sich religiös orientiere. Darum hätten auch Kopftücher „in Klassenzimmern nichts zu suchen“.

Für diese Aussage wurde sie von Angehörigen der eigenen Partei und der CSU heftig kritisiert.

Quelle: taz und wikipedia