Archiv für das 'Juden'-tag

Buch: Mit dem Konflikt leben!?

Irit Neidhardt (Hg.) Mit dem Konflikt leben!? – Berichte und Analysen von Linken aus Israel und Palästina

Israel und Palästina stehen kontinuierlich im Licht des öffentlichen Interesses, die Berichterstattung sind gerade seit Beginn der zweiten Intifada beträchtlich und vielfältig.

Hintergrundinformationen von Menschen, die mit dem Konflikt leben ereichen uns jedoch kaum. In dem Sammelband “Mit dem Konflikt leben!?” kommen Menschen aus Israel und Palästina zu Wort und beleuchten die Themen, die hinter dem Konflikt stehen. Sie geben einen Einblick in ihre Inhalte und Auseinandersetzungen und schließen eine Lücke in der hiesigen Berichterstattung.

Die Entstehungsgeschichte des Buches ist bezeichnend:  Irit Neidhardt las in einer deutschen Wochenzeitschrift eine mehrteilige Serie über die zweite Intifada. Alle Artikel waren von Deutschen verfasst – aber fast niemand von ihnen war jemals in Israel oder Palästina gewesen. Irit Neidhardt bot der Zeitung Stimmen von Betroffenen an, aber sie paßten den Blattmachern nicht ins Konzept. Dabei wäre natürlich genau diese Sachkenntnis bitter nötig; für eine sinnvolle Diskussion über den Nahostkonflikt ebenso wie für die Auseinandersetzung über den Antisemitismus in Deutschland.
Zu unserem Glück hat Irit Neidhardt die abgelehnten Texte nun in dem vorliegenden Buch veröffentlicht hat. Die Politologin und Kulturwissenschaftlerin hat mehrere Jahre im Nahen Osten gelebt und zahlreiche israelische und palästinensische Filmfestivals organisiert sowie ein Buch über Antisemitismus in der deutschen Linken mitverfaßt.
„Mit dem Konflikt leben!?“ wagt etwas, das zur Zeit immer seltener, immer schwieriger und darum immer wichtiger wird: den Dialog. Das Spannende daran ist, daß ihn hier mehr als nur zwei Seiten führen. Hier schreiben aschkenasische (aus Europa stammende) jüdische Israelis, orientalische Jüdinnen (Mizrahim), Palästinenser und Palästinenserinnen mit israelischer Staatsangehörigkeit und arabische Bewohner von Westbank und Gaza. Zwischen Alltag und Analysen machen ihre Texte vor allem deutlich, wie groß die Unterschiede sind innerhalb der Bevölkerungsgruppen, die  uns – aus welchen Gründen auch immer – als homogen präsentiert werden.
Ella Habiba Shohat beispielsweise, aus dem Irak stammende Jüdin und streitbare Professorin für Kulturelle und Frauenstudien an der New York City University, klagt den Zionismus als rassistische Unterdrückung aller nicht-europäischen Juden und Jüdinnen an. Er  akzeptiere nur die aschkenasische Kultur als die einzig wahre jüdische akzeptiere – eine Wertung, die sich in den Medien sowohl in Israel aber auch Europa und den USA spiegelt.

Die orientalische Jüdin Anna Sherbany geht noch einen Schritt weiter; sie fühlt ihre Identität nicht angemessen geachtet, solange “Leiden als hierarchisierendes Attribut” verwendet wird. Die Debatte über Mizrahi-Kultur ist vergleichsweise jung; gerade kommt eine erste cineastische Umsetzung mit der Dokumentation „Forget Baghdad“ des im Irak geborenen Filmemachers Samir in die deutschen Kinos. Neben vier irakisch-jüdischen (Ex-)Kommunisten in Israel ist darin auch Ella Habiba Shohat zu hören und zu sehen. Sie kritisiert die Zerstörung der arabischen Identität der orientalischen Juden in Israel. Nachdem orientalische Juden erst zu „Araberhassern“ umerzogen worden seien, so Shohat, habe die Linke sie auch noch als bornierte Parteigänger des Likud diffamiert und zu Sündenböcken für das Scheitern des Friedensprozesses gestempelt.

Ha’aretz-Korrespondentin Amira Hass hingegen ist die politisch-ideologische Abqualifizierung des Zionismus als kolonialistisches Konzept zu platt. Sie, Tochter von rumänischen Holocaust-Überlebenden und die einzige jüdisch-israelische Journalistin, die in den Besetzten Gebieten lebt, schildert die tägliche Unterdrückung der Palästinenser aus eigener Anschauung. In ihren Augen hat gerade der Holocaust dazu geführt, daß „die zionistische Lösungsformel von den meisten Juden akzeptiert“ wurde.

Herbe Kritik üben Autoren und Autorinnen verschiedener Herkunft aber auch an der palästinensischen Führung, die sich bei Verhandlungen mit der israelischen Regierung politisch über den Tisch ziehen lasse und dies der eigenen Bevölkerung noch als Erfolg verkaufe, ebenso wie an den kommunalen Komitees, die die Palästinenser und Palästinenserinnen in Israel vertreten. Die Feministin und Friedensaktivistin Nabila Espanioly analysiert zum Beispiel, wie palästinensische Frauen in Israel wie auch von ihrer eigenen Gesellschaft unterdrückt werden.

Spannend sind nicht nur die unterschiedlichen Perspektiven, sondern auch deren Schnittmengen: Die feministischen Allianzen palästinensischer und jüdischer Frauen in Israel; Mizrahim, die ihre „Enteignung“ mit der der Palästinenser vergleichen; Palästinenser und Palästinenserinnen, die aus Europa oder den USA in die Besetzten Gebiete heimgekehrt sind und Schuldgefühle gegenüber den noch im Exil Lebenden haben.

Ein krasses Beispiel für die unübersichtlichen nahöstlichen Realitäten ist die – wahre – Geschichte von David und Monther, die der palästinensische Filmemacher Subhi al-Zobaidi erzählt: Halbbrüder sind sie, der Jude und der Muslim, Söhne einer syrischen Jüdin, die in zweiter Ehe einen Palästinenser geheiratet hat. David lebt in einer jüdischen Siedlung in der Westbank, Monther in einem nahegelegenen Flüchtlingslager. Als der palästinensische Sicherheitsdienst beide festnimmt, weil er sie der Kollaboration mit dem israelischen Geheimdienst verdächtigt, kommt David frei, weil er sich entscheidet, fortan bei seiner Mutter im palästinensischen Flüchtlingslager zu bleiben.

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Buch: Macht – Religion – Politik

Titelbild zu Cover in groß "Macht – Religion – Politik"	 Margarete Jäger, Jürgen Link (Hg.) Macht – Religion – Politik Zur Renaissance religiöser Praktiken und Mentalitäten

Titelbild zu Cover in groß "Macht – Religion – Politik" Margarete Jäger, Jürgen Link (Hg.) Macht – Religion – Politik Zur Renaissance religiöser Praktiken und Mentalitäten

Margarete Jäger, Jürgen Link (Hg.) Macht – Religion – Politik: Zur Renaissance religiöser Praktiken und Mentalitäten

Dass mit Religion Politik gemacht wird und damit Macht und Herrschaft verbunden sind, ist keine neue Erkenntnis. Gerade in den letzten Jahren wurde dieses vor allem in Verbindung mit dem Islam diskutiert und problematisiert. Vielfach wird dabei jedoch die Frage vernachlässigt, inwieweit die politischen Grundlagen in Europa durch Religion geprägt sind und spirituelle Bedürfnisse (aus)nutzen.

Auch in Deutschland wird der Komplex Religion, Macht und Politik wird seit Jahren heftig diskutiert und kritisiert. Vielfach wird jedoch auch hier auf den Islam und sein Verhältnis zu westlich geprägten Demokratien focussiert. Vernachlässigt wird, die eigenen politischen Grundlagen daraufhin zu hinterfragen inwieweit sie durch Religion geprägt sind.

“Macht – Religion – Politik” geht diesen Fragen nach und analysiert, ob und wie sich religiöse Ideen politisch geltend machen und ob diese Ideen inner- und zwischenstaatliche Politiken und Konflikte beeinflussen.

Es werden die Möglichkeiten einer (neuen) Religionskritik thematisiert wie auch das Verhältnis von Judentum und anderen Religionen,  das bis in die Gegenwart hinein die Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden bestimmt. Daneben geht es um die Frage, ob und inwiefern das Konzept Globalisierung/Kapitalismus zu einer Art Religionsersatz mutieren konnte und ob und inwieweit fundamentalistisch gewendetes Christentum als Stütze länderübergreifender Machtpolitik seitens der Bush-Administration zu agieren versuchte.

Und schließlich geht es auch um die Frage einer möglichen Islamisierung Europas,  sowie um die Folgen „islamistischer“ Terroranschläge auf das politische Klima nicht nur in diesen Ländern.

Das Buch enthält folgende Beiträge:

Moshe Zuckermann:
Kants Religionsschrift. Überlegungen zu Vernunft und Religion auf dem kurzen Weg missglückter Säkularisierung

Alfred Schobert:
Religionskritik und Dekonstruktion: Jacques Derridas Arbeiten über „Religion“

Richard Faber:
„Das ist die Synagoge, in die ich nicht gehe.“

Jobst Paul:
Das Konvergenzprojekt – Humanitätsreligion und Judentum im 19. Jahrhundert

Jürgen Link:
As-soziationskrisen zwischen Kapitalismus und Normalismus und die verstärkte Attraktivität apokalyptischer Religiosität

Heinz Brüggemann:
Religion im öffentlichen Raum

Frank Unger:
USA:  Supermacht wiedergeborener Christen?

Moshe Zuckermann:
Staat und Religion in Israel

Andreas Umland:
Der „Neoeurasismus“ des Aleksandr Dugin: Zur politischen Strategie der russischen „Neuen Rechten“ sowie zur Rolle des integralen Traditionalismus und (quasi-)religiöser Elemente in ihrer Ideologie

Claudia Dantschke:
Islam und Islamismus in Deutschland

Ineke van der Valk:
Van Gogh und die Folgen

Margarete Jäger:
Diskursive Effekte der Kopftuchdebatte im deutschen Einwanderungsdiskurs

Daniela Marx:
Vom ›feministischen Schreckgespenst‹ zur gefragten Expertin – Alice Schwarzers Islamismuskritik als Eintrittskarte in die Welt der Mainstream-Medien

Warnung: Es handelt sich um ein Buch mit wissenschaftlichem Anspruch. Es handelt sich dabei größtenteils um Beiträge des 19. Colloquiums, das das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) in Verbindung mit der Gesellschaft für politische Bildung auf der Akademie Frankenwarte (Würzburg) unter dem Titel „Macht – Religion – Politik“ im November 2005 veranstaltet hat.

Es mag daher stellenweise ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse im entsprechenden Feld schwer lesbar und verständlich sein.

Logo Unrast VerlagHier die  Einleitung von Jürgen Link und  Margarete Jäger im Volltext

Das Buch ist im Unrast-Verlag erschienen, kostet 24 Euro. Online  Bestellen oder den lokalen Buchhandel unterstützen.

Politically INcorrect (PIN)

Dieses Blog ist Teil einer Aktion mit dem Ziel, das Begriff „Politically Incorrect“ einer Gruppe von Hetzern zu entreißen, die ihn im Netz zur Hetze gegen Andersdenkende und Anders-Glaubende verwenden.

Wenn nun viele Internet-Seiten den Begriff verwenden, aber auf den Seiten positiv (nicht beschönigend) über Musilme, Israel, Juden, und andere typische Opfer von PI (wie Frauen, Alternative, Linke ) schreiben und sich auch noch gegenseitig verlinken, dann könnten wir mehr Relevanz bei Google bekommen als die alte PI Seite.

Ideal wäre natürlich, wenn wir ein paar SEO Spezialisten dafür gewinnen könnten….

Mehr Infos hier in Kürze!