Archive for the ‘Palestina’ Category

Fußball vereint Kinder aus Israel und Palestina

Dienstag, Mai 4th, 2010

„Jeder spricht Fußball“: Im Fußball-Dorf trainieren jüdische und palästinensische Kinder gemeinsam.

A soccer camp for peace

(Video)

Erstmals wurde in Israel eine israelisch-arabische Frau zur Vollzeitprofessorin

Donnerstag, März 25th, 2010

Erstmals ist in Israel wird eine israelisch-arabische Frau zur Vollzeitprofessorin: An der Tel Aviv University wurde die Erziehungs-Expertin Fadia Nasser-Abu Alhija zur „full professor“ ernannt.

Die 54-jährige wertet ihre Ernennung selbst als: „Ein echter Durchbruch“.

Die israelische Zeitung Haaretz zitiert Nasser-Abu Alhija mit den Worten:

„First of all, I am proud of myself for this personal accomplishment. But I believe I won’t be the last – more and more Arab women are entering the higher education system in a variety of fields.“

Sie fordert jedoch auch Verbesserungen von der Regierung, um diese Entwicklung zu fördern:

Still, she said, schools in Arab areas suffer from a serious lack of government investment.  „We have to improve Arab public schools,“ she said.

Auch die israelische Botschaft in Deutschland feiert die Ernennung in ihrem Twitter-Account

Quelle und mehr:  Haaretz.com

Buch: Mit dem Konflikt leben!?

Dienstag, März 23rd, 2010

Irit Neidhardt (Hg.) Mit dem Konflikt leben!? – Berichte und Analysen von Linken aus Israel und Palästina

Israel und Palästina stehen kontinuierlich im Licht des öffentlichen Interesses, die Berichterstattung sind gerade seit Beginn der zweiten Intifada beträchtlich und vielfältig.

Hintergrundinformationen von Menschen, die mit dem Konflikt leben ereichen uns jedoch kaum. In dem Sammelband „Mit dem Konflikt leben!?“ kommen Menschen aus Israel und Palästina zu Wort und beleuchten die Themen, die hinter dem Konflikt stehen. Sie geben einen Einblick in ihre Inhalte und Auseinandersetzungen und schließen eine Lücke in der hiesigen Berichterstattung.

Die Entstehungsgeschichte des Buches ist bezeichnend:  Irit Neidhardt las in einer deutschen Wochenzeitschrift eine mehrteilige Serie über die zweite Intifada. Alle Artikel waren von Deutschen verfasst – aber fast niemand von ihnen war jemals in Israel oder Palästina gewesen. Irit Neidhardt bot der Zeitung Stimmen von Betroffenen an, aber sie paßten den Blattmachern nicht ins Konzept. Dabei wäre natürlich genau diese Sachkenntnis bitter nötig; für eine sinnvolle Diskussion über den Nahostkonflikt ebenso wie für die Auseinandersetzung über den Antisemitismus in Deutschland.
Zu unserem Glück hat Irit Neidhardt die abgelehnten Texte nun in dem vorliegenden Buch veröffentlicht hat. Die Politologin und Kulturwissenschaftlerin hat mehrere Jahre im Nahen Osten gelebt und zahlreiche israelische und palästinensische Filmfestivals organisiert sowie ein Buch über Antisemitismus in der deutschen Linken mitverfaßt.
„Mit dem Konflikt leben!?“ wagt etwas, das zur Zeit immer seltener, immer schwieriger und darum immer wichtiger wird: den Dialog. Das Spannende daran ist, daß ihn hier mehr als nur zwei Seiten führen. Hier schreiben aschkenasische (aus Europa stammende) jüdische Israelis, orientalische Jüdinnen (Mizrahim), Palästinenser und Palästinenserinnen mit israelischer Staatsangehörigkeit und arabische Bewohner von Westbank und Gaza. Zwischen Alltag und Analysen machen ihre Texte vor allem deutlich, wie groß die Unterschiede sind innerhalb der Bevölkerungsgruppen, die  uns – aus welchen Gründen auch immer – als homogen präsentiert werden.
Ella Habiba Shohat beispielsweise, aus dem Irak stammende Jüdin und streitbare Professorin für Kulturelle und Frauenstudien an der New York City University, klagt den Zionismus als rassistische Unterdrückung aller nicht-europäischen Juden und Jüdinnen an. Er  akzeptiere nur die aschkenasische Kultur als die einzig wahre jüdische akzeptiere – eine Wertung, die sich in den Medien sowohl in Israel aber auch Europa und den USA spiegelt.

Die orientalische Jüdin Anna Sherbany geht noch einen Schritt weiter; sie fühlt ihre Identität nicht angemessen geachtet, solange „Leiden als hierarchisierendes Attribut“ verwendet wird. Die Debatte über Mizrahi-Kultur ist vergleichsweise jung; gerade kommt eine erste cineastische Umsetzung mit der Dokumentation „Forget Baghdad“ des im Irak geborenen Filmemachers Samir in die deutschen Kinos. Neben vier irakisch-jüdischen (Ex-)Kommunisten in Israel ist darin auch Ella Habiba Shohat zu hören und zu sehen. Sie kritisiert die Zerstörung der arabischen Identität der orientalischen Juden in Israel. Nachdem orientalische Juden erst zu „Araberhassern“ umerzogen worden seien, so Shohat, habe die Linke sie auch noch als bornierte Parteigänger des Likud diffamiert und zu Sündenböcken für das Scheitern des Friedensprozesses gestempelt.

Ha’aretz-Korrespondentin Amira Hass hingegen ist die politisch-ideologische Abqualifizierung des Zionismus als kolonialistisches Konzept zu platt. Sie, Tochter von rumänischen Holocaust-Überlebenden und die einzige jüdisch-israelische Journalistin, die in den Besetzten Gebieten lebt, schildert die tägliche Unterdrückung der Palästinenser aus eigener Anschauung. In ihren Augen hat gerade der Holocaust dazu geführt, daß „die zionistische Lösungsformel von den meisten Juden akzeptiert“ wurde.

Herbe Kritik üben Autoren und Autorinnen verschiedener Herkunft aber auch an der palästinensischen Führung, die sich bei Verhandlungen mit der israelischen Regierung politisch über den Tisch ziehen lasse und dies der eigenen Bevölkerung noch als Erfolg verkaufe, ebenso wie an den kommunalen Komitees, die die Palästinenser und Palästinenserinnen in Israel vertreten. Die Feministin und Friedensaktivistin Nabila Espanioly analysiert zum Beispiel, wie palästinensische Frauen in Israel wie auch von ihrer eigenen Gesellschaft unterdrückt werden.

Spannend sind nicht nur die unterschiedlichen Perspektiven, sondern auch deren Schnittmengen: Die feministischen Allianzen palästinensischer und jüdischer Frauen in Israel; Mizrahim, die ihre „Enteignung“ mit der der Palästinenser vergleichen; Palästinenser und Palästinenserinnen, die aus Europa oder den USA in die Besetzten Gebiete heimgekehrt sind und Schuldgefühle gegenüber den noch im Exil Lebenden haben.

Ein krasses Beispiel für die unübersichtlichen nahöstlichen Realitäten ist die – wahre – Geschichte von David und Monther, die der palästinensische Filmemacher Subhi al-Zobaidi erzählt: Halbbrüder sind sie, der Jude und der Muslim, Söhne einer syrischen Jüdin, die in zweiter Ehe einen Palästinenser geheiratet hat. David lebt in einer jüdischen Siedlung in der Westbank, Monther in einem nahegelegenen Flüchtlingslager. Als der palästinensische Sicherheitsdienst beide festnimmt, weil er sie der Kollaboration mit dem israelischen Geheimdienst verdächtigt, kommt David frei, weil er sich entscheidet, fortan bei seiner Mutter im palästinensischen Flüchtlingslager zu bleiben.

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