Archive for the ‘Multi-Kulti’ Category

Kino-Tipp: „Babys“

Dienstag, August 10th, 2010

Sie heißen Ponijao, Bayar, Mari und Hattie. Geboren in Namibia, in der Mongolei, in Japan und in den USA. Einfühlsam begleitet die Kamera die neuen Erdbewohner vom ersten Atemzug bis zu den ersten Schritten auf wackeligen Beinen.

Zwei von ihnen leben fernab der Zivilisation, die beiden anderen mitten in der Großstadt. Sie sind Einzelkind oder Teil einer Großfamilie. Doch so unterschiedlich ihre Herkunft ist, so verschieden die Kulturen sind, in denen sie aufwachsen

Doch wenn Babys brabbeln, glucksen und lachen, klingt es überall auf der Welt gleich. In zeitlicher Abfolge dokumentiert der Film die Entwicklung der Kinder und macht in wunderbar authentischen Bildern deutlich, dass es keine Rolle spielt, ob sie in einer Jurte oder in einem Hochhaus-Apartment ihre Umgebung entdecken, lachen und weinen, Vertrauen und Ängste entwickeln, Geborgenheit suchen und Liebe finden. Denn im Laufe eines Jahres mausern sich alle vier Babys vom hilflosen Säugling zum selbstbewussten kleinen Individuum.

Trailer: Babys

 

Warum Deutschland mehr Zuwanderer braucht

Dienstag, August 3rd, 2010

Wirtschaftsminister Brüderle (FDP) fordert mehr Zuwanderung, um die Wirtschaft zu stützen: „Der deutsche Arbeitsmarkt braucht Leute aus dem Ausland. Das Thema, wie Deutschland für ausländische Facharbeiter endlich attraktiv wird, steht ganz oben auf meiner Agenda“, sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle dem „Handelsblatt“.

„Der Fachkräftemangel wird in den nächsten Jahren zum Schlüsselproblem für den deutschen Arbeitsmarkt und nicht die Arbeitslosigkeit“, sagte Brüderle weiter. Je länger der Aufschwung anhalte, desto größer werde das Problem.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat ausgerechnet, dass bereits in vier Jahren rund 220.000 Ingenieure, Techniker und Naturwissenschaftler fehlen werden. Der Ingenieursverband VDI beklagt bereits heute eine Lücke von 36.000 Fachkräften.

Seit 2008 ist Deutschland sogar ein Auswanderungsland. Das heißt: Es gehen mehr Menschen aus Deutschland weg, als Menschen herkommen. Neben qualifizierten Ausländern verlassen auch gut ausgebildete Deutsche das Land. Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren jeweils weniger als 700 Hochqualifizierte hierher gekommen – eine verschwindend geringe Anzahl.

Die Unternehmen in Deutschland haben das Problem schon längst erkannt.  Sie haben die Erfahrung gemacht, dass nur eine kleine Gruppe der der derzeit gut drei Millionen Arbeitslosen in Deutschland ihren akuten Bedarf abdecken können. In den meisten Fällen fehlt schlicht die Qualifizierung der Erwerblosen.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte sich kürzlich ebenfalls für die verstärkte Anwerbung ausländischer Fachkräfte ausgesprochen.

Ob jedoch Ausländer in ein Land wollen, in dem sie fürchten müssen, wegen ihrer Namen und Hautfarbe diskriminiert und von NPD Schlägern zusammengeschlagen zu werden, das ist mehr als fraglich.

Welche Fachkräfte gesucht werden
Beruf Offene Stellen pro Arbeitslosem*
Ärzte 5,9
Leitende Verwaltungsfachleute 4,6
Krankenpfleger, Hebammen 3,6
Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure 2,7
Wirtschaftsprüfer, Steuerberater 2,7
Elektroingenieure 2,6
Landmaschineninstandsetzer 2,3
Rohrinstallateure 2,1
Elektroinstallateure, -monteur 1,8
Löter 1,8
* Berufe mit mehr als 500 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen. Offene Stellen insgesamt entsprechen den bei der BA gemeldeten offenen Stellen gewichtet mit der BA-Meldequote offener Stellen (Akadedemikerberufe: 20 Prozent; Ausbildungsberufe: 40 Prozent)

Quelle: IW Köln

Quellen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,709704,00.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,709228,00.html

Kino: Neukölln Unlimited

Montag, Mai 17th, 2010

Schriftzug Neukölln unlimitedAuf der Berlinale gefeiert, jetzt kommt  der Film „Neukölln Unlimited“  in die Kinos.

Deutschland, 2010, 96 min

Regie: Agostino Imondi, Dietmar Ratsch

Darsteller: Hassan Akkouch, Lial Akkouch, Maradona Akkouch

Neukölln. Eine Stadt in der Stadt mit 300.000 Einwohnern. Menschen aus mehr als 160 Nationen leben hier. Der Berliner Bezirk ist berühmt für seine multikulturelle Gemeinschaft — und dafür ebenso berüchtigt, spätestens seit „Knallhart“ und „Rütli“.

Drei libanesische Geschwister in Berlin kämpfen gegen die drohende Abschiebung der ganzen Familie: Die Geschwister Lial, Hassan und Maradona leben seit frühester Kindheit im Berliner Bezirk Neukölln. Als talentierte Tänzer und Musiker sind die Geschwister in der Streetdance- und HipHop-Szene auch über die Grenzen Berlins hinaus ein Begriff. Aber sie haben ein Problem: Ihre Familie lebt seit 18 Jahren ohne sicheren Aufenthaltsstatus in Deutschland und ist permanent von der Abschiebung in den Libanon bedroht.

Film Poster für Neukölln unlimitedDenn die Ausländerbehörde schreibt vor, dass die Familie nur bleiben darf, wenn sie finanziell halbwegs eigenständig ist – weshalb die Einkünfte der Kinder in die Familienkasse wandern: 500 Euro von Hassans Auftritten mit der Breakdance-Gruppe, ein paar hundert Euro aus Lials Ausbildung bei einem Sportpromoter, vielleicht etwas von ihren Urban-Konzerten. Wenn unterm Strich rund 1500 Euro herauskommen, muss keiner abgeschoben werden. Kaum zu fassen, dass sich das Schicksal von sechs Menschen so leicht berechnen lässt.

Lial und Hassan, die als einzige Familienmitglieder einen befristeten Aufenthaltstitel bekommen haben, schmieden den Plan, mit ihrer Kunst den Lebensunterhalt der Familie zu sichern, damit diese legal im Land bleiben darf.

Sie tanzen sich die Seele aus dem Leib, sie singen, streiten und verfolgen unbeirrbar ihre Ziele: Lial Akkouch ist 19 Jahre alt, singt in der Frauenband „No Ibn“ („Keine Söhne ) und macht eine Ausbildung zur Eventmanagerin bei einem Boxkampf-Veranstalter. Ihr 18jähriger Bruder Hassan lernt für das Abitur, übt als Rapper unter dem Künsternamen „HasS“ Sozialkritik und tourt mit seiner Streetdance-Gruppe durchs Land. Der 14jährige Bruder Maradona trainiert täglich Breakdance. Bei seinen Läufen quer durch Berlin trägt er ein T-Shirt mit der Aufschrift „I‘m Muslim, don‘t panik“. Er demonstriert gegen die Besetzung des Libanon, trat bereits für die TV-Show „Das Supertalent“ an und soll es später zum Breakdance-Vizemeister in Deutschland bringen – unter halsbrecherischem Ganzkörpereinsatz.

I'm a Muslim - don't Panic

I'm a Muslim - don't Panic

Doch der Druck dieser doppelten Belastung fordert seinen Tribut: Das Geschwisterverhältnis zwischen Lial und Hassan ist angespannt, und bei Maradona häufen sich die Probleme. Er wird wiederholt von der Schule suspendiert und bekommt die ersten Strafanzeigen, die nicht nur seinen Aufenthalt, sondern auch den seiner Familie gefährden könnten. Hin- und hergerissen zwischen dem ambitionierten Lebensstil seiner älteren Geschwister und dem Straßenleben seiner Kumpels steht er am Scheideweg zwischen Motivation und Resignation.

Die deutschen Medien sind überrascht:

So sympathisch die Protagonisten sind und so beeindruckend ihre verschiedenen Talente von Gesang bis Breakdance ausfallen: Ein wenig überrascht die Begeisterung, die „Neukölln Unlimited“ bislang hervorgerufen hat, dann doch. Ist ein klischeefreier Blick auf Einwanderer und ihre Lebensumstände wirklich eine Sensation?

spiegel.de

„‚Neukölln Unlimited‘ ist wie eine Gegenrede zu Thilo Sarrazin: Wie sollen Leute wie die Akkouchs sich in den deutschen Alltag integrieren, wenn ihnen eine Tür nach der anderen vor der Nase zugeschlagen wird? Und wieso ist die Mehrheitsgesellschaft, wieso sind die Behörden und die Politiker so blöd, ihre gewaltigen Anstrengungen nicht wahrzunehmen?“
Cristina Nord, die tageszeitung
„Eine wunderbare Dokumentation übers Erwachsenwerden, die ein wichtiges Thema anspricht: die Einwanderungspolitik Deutschlands. Wer darf eigentlich in Deutschland leben? Und wer nicht?“
Der Tagesspiegel

Der Film „dürfte für Verblüffung unter Multikulti-Skeptikern sorgen.“ urteilt der Spiegel.

Seltsam, das das erst der Film tut, denn er ist eine Dokumentation.

2003 wurden die Familie Akkouch für 6 Wochen in den Libanon abgeschoben. Für Hassan war das ein fremdes Land. „Meine Heimat ist nicht der Islam, sondern der Ort, wo und wie man aufwächst.“ Nach der Abschiebung habe die Schwester unter Bulimie, die Mutter unter epileptischen Anfällen, der kleine Bruder unter ADS gelitten. Das traumatische Erlebnis wird in animierten Sequenzen nacherzählt.

Bei einer öffentlichen Diskussion äußert der Berliner Innensenator Erhart Körting, dass die Migranten-Eltern den Staat oft hintergingen während deren Kinder ganz in Ordnung seien, dennoch geprüft werde müsse, ob ihr Bleiben im Interesse des Landes sei. Darauf reagiert Hassan mit: „Herr Körting, nach meiner Meinung schüren Sie den Hass in mir.“

Hassan Akkouch ist längst kein Unbekannten mehr. Bereits vor vier Jahren berichtete Spiegel-Online über die drohende Abschiebung des „Breakdance-Stars“ und Schülersprechers und bezeichnete ihn als „Prachtbeispiel für gelungene Integration“. Damals spielte er in einer ZDF-Serie mit und hatte das Projekt „Schule ohne Rassismus“ mitinitiiert.

Mehr Infos:

Berlinale

spielgel online

GMfilms

Tip Berlin

neukoelln-unlimited.de

BIG – ein muslimisch-deutsches Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit

Mittwoch, April 14th, 2010

 

Wahlplakat des Bündniss für Innovation & Gerechtigkeit

Wahlplakat des Bündniss für Innovation & Gerechtigkeit

BIG steht nicht nur für «groß», sondern auch für das neue Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit.  BIG tritt bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 9. Mai als erste Partei an, die überwiegend von Muslimen gegründet wurde. Allerdings versteht sich die Gruppierung nicht als Islam-Partei. Vielmehr sieht sie sich als Stimme für Bevölkerungsgruppen, die sich von den etablierten Parteien vernachlässigt fühlen, wie der Gründer & Unternehmensberater Haluk Yildiz betont. Bei der Kommunalwahl 2009 war der türkischstämmige Politiker bereits in den Bonner Stadtrat eingezogen.

Yildiz war bis 2009 Sprecher des Bonner Rats der Muslime. Als Islam-Vertreter will er jedoch nicht gelten. Zwar seien überwiegend Muslime Parteimitglieder, das Bündnis stehe aber allen Menschen offen. Inzwischen gebe es auch schon einige Christen in der Partei. Vom Islam ist im BIG-Grundsatzprogramm keine Rede. Menschen sollten nicht auf ihre Religion oder Herkunft reduziert werden, sagt der Parteivorsitzende gegenüber dem SWR.

Entstanden ist BIG aus drei regionalen Wählervereinigungen: Die Wählergemeinschaft „Bündnis für Frieden & Fairness“ (BFF) setzt sich nach eigenen Angaben nur aus Muslimen zusammen. Sie hat bei der Kommunalwahl 2009 zwei Plätze im Bonner Stadtrat erhalten. Gleichzeitig hat die Bürgerinitiative Gelsenkirchen (BIG) eine Wählergemeinschaft von Menschen mit Migrationshintergrund an der Kommunalwahl teilgenommen. Als Ergebnis zogen ebenfalls zwei Abgeordnete in das Stadtparlament Gelsenkirchen ein. Eine vergleichbare Wählergemeinschaft aus Köln schaffte den Einzug in den Stadtrat nicht.

Zu den Kandidaten zählen eine Frauenärztin aus Marokko, ein türkischstämmiger Zahnarzt, ein libanesischstämmiger Ingenieur und ein in Bonn geborener Rechtsanwalt.

Auch bundesweit formiert sich das Bündnis, das bei den kommenden Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Bremen, Berlin und Baden-Württemberg ebenfalls antreten will.

Wir sind Deutschland

Erneuerungsbedarf sieht der 42-jährige Haluk Yildiz unter anderem in der Bildungs-, Sozial-, und Integrationspolitik.

 

Ein umfangreiches Wahlprogramm können die BIG-Vertreter bisher noch nicht vorweisen, nur ein vierseitiges Grundsatzprogramm. Darin wird etwa beklagt, dass es ungeachtet des Diskriminierungsverbots im Grundgesetz in vielen Bereichen eine Benachteiligung von Minderheiten gebe. Die Partei verstehe sich dagegen als «Brückenbauer» zwischen den Gesellschaftsgruppen. Zu ihren Zielen gehört unter anderem die Gewährung doppelter Staatsbürgerschaften.

 

In eine der etablierten Parteien mochte Yildiz nicht eintreten, weil ihn deren Art stört, über Menschen zu reden. So würden Hartz-IV-Empfänger zu bloßen Objekten, hinter denen die Einzelschicksale in Vergessenheit gerieten.

Bei der Kommunalwahl 2009 in Bonn erreicht er mit dem Bündnis für Frieden und Fairness (BFF), das nun BIG-Ortsverband ist, 2,1 Prozent der Wählerstimmen. Da es bei Kommunalwahlen keine Fünf-Prozent-Hürde gibt, reichte das für zwei Mandate im Rat der Stadt. Auf Landesebene müsste das Bündnis für einen Einzug ins Parlament deutlich zulegen.

Homepage: http://bignrw.de/

Der Vorsitzender der BIG, Haluk Yıldız, im Interview (September 2011):

http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2011/09/193720/